Gemeinsam Musik erleben
– auch im Home Office

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© SofaConcerts

Musik verbindet – auch und gerade in Krisen. Geplant oder spontan wird gemeinsam musiziert, vom Balkon oder per Live-Schaltung aus dem Home Office. Die Online-Plattform SofaConcerts organisiert seit 2014 einzigartige Musikmomente und vernetzt Newcomer-Musiker mit Musikfans – für Konzerte im eigenen Wohnzimmer oder an anderen besonderen Orten. In Zeiten von Corona ein schwieriges Geschäftsmodell. Aber die Gründerinnen Marie Lene Armingeon und Miriam Schütt haben aus der Not eine Tugend gemacht und vermitteln nun Online Sofakonzerte und exklusive musikalische Grußbotschaften per Video.


Marie Lene, wie geht es Ihnen?
Danke, soweit sehr gut. Wir sitzen seit nunmehr vier Wochen im Home Office, aber wir sind sowieso sehr digital aufgestellt und man lernt, mit den Umständen zu leben.

Ein SofaConcert bedeutet im Normalfall, dass ein Musiker bei mir zu Hause für mich und meine Freunde ein Konzert gibt. Das fällt ja erstmal aus …
Ja, leider. Durch die aktuellen Beschränkungen waren wir fast von heute auf morgen unserer Planungen für die Zukunft beraubt und für einen kurzen Moment in Schockstarre. Dann war klar: Wir müssen sofort handeln. Im Team sind wir dann schnell auf das Thema Videobotschaft gekommen. An dieser Idee haben wir ein paar Tage gefeilt, in Rekordzeit einen Teaser gedreht … und dann ging das sehr schnell durch die Decke.

Was ist das Besondere an diesen Videobotschaften?
Dass man Freunde, Familie oder Kollegen mit einer musikalischen Grußbotschaft per Video überraschen oder eine Musikbotschaft mit persönlichem Videogruß verschenken kann. Ob Geburtstag oder Hochzeit, die nun nicht gefeiert werden können, Musik verbindet, tröstet und schenkt trotz allem Nähe. Mit der Musikbotschaft kann man so also ein persönliches Video an seine Liebsten schicken. Einfach Lieblingskünstler auswählen, eine persönliche Botschaft für die Liebsten hinterlassen und schon dreht der Musiker*in ein exklusives Video mit einem persönlichen Song für den Beschenkten.

Wie sieht es mit Konzerten aus?
Wir haben sehr schnell ein zweites Produkt entwickelt: die „Online Sofakonzerte“. Momentan gibt es sehr viele Streamingangebote, die von allen angesehen werden können. Wir haben aber überlegt, wie man das exklusivere SofaConcerts-Gefühl transportieren kann. Unter „StayAtHome“ bieten wir deshalb auch Live-Konzerte per Videokonferenz an. Das heißt konkret: Die Musiker schalten sich zum Beispiel beim Teammeeting einfach zur Videokonferenz hinzu und spielen ein exklusives Sofakonzert. Das Highlight trotz Distanz. Es gibt jeweils einen Link, den man nur an Freunde und Eingeladene verschicken kann. So schafft man trotzdem ein gemeinsames Erlebnis, außerhalb von Video-Konferenzen. Letztlich haben wir das Videochat-Format mit anderen Inhalten gefüllt, nämlich mit Musik.

Das Team des Start-ups SofaConcerts mit den Gründerinnen Miriam Schütt und Marie Lene Armingeon

Das Team von SofaConcerts mit den beiden Gründerinnen Miriam Schütt (4.v.l.) und Marie Lene Armingeon (5.v.l.). | © Frau Siemers

Wie sind die Rückmeldungen zu diesem Konzept?
Gut. Ein schönes Beispiel ist ein gemeinsames einstündiges Konzert von einer Stunde, das von einer Familie gebucht wurde, die verstreut in den USA und Deutschland lebt. Auch zu den Botschaften gibt es einige schöne Rückmeldungen. Sie werden bei abgesagten Hochzeitsfeiern verschickt, oder auch als Botschaft von Enkeln an Großeltern an Enkel und umgekehrt (lacht). Wir haben deshalb bereits bei der Produktentwicklung dafür gesorgt, dass es technisch einfach zu bedienen ist. Man bekommt einen privaten YouTube-Link, den man einfach teilen kann. Das Video gibt’s auch zum Downloaden. Wir kennen Fälle, wo USB-Sticks mit Videobotschaft ins Altenheim geschickt wurden.

Wie stellen Sie sich die Zukunft für dieses Konzept vor?
Unser Ansatz war: Unsere Aufträge brechen weg und den Musiker fehlt eine Erwerbsquelle. Wie können wir das als SofaConcerts ausgleichen? Wir haben uns deshalb sehr gefreut, dass unsere Musikbotschaften so gut angekommen sind. Die Musiker kamen mit den Aufträgen kaum hinterher. Das ist schön, denn natürlich ist die Veranstaltungsbranche besonders stark getroffen. Viele Künstler sind selbstständig, das ist sowieso schon ein fragiles Geschäft. Und wir merken: Das Bedürfnis da ist.

Was erwarten Sie von der Öffnung?
An die müssen wir uns Schritt für Schritt wieder herantasten und uns fragen, was können und möchten wir verantworten. Wir spüren allerdings überall viel Optimismus, dass es positiv ausgeht. In der aktuellen Situation lernen die Menschen den Wert von Musik schätzen und hoffentlich danach auch wieder den Stellenwert von Konzerten. Das wäre schön für uns. Durch die Beschränkungen entsteht gerade auch eine große Vorfreude auf Familienfeiern, Hochzeiten und besondere Anlässe, die man in kleinerem Rahmen feiern kann. Da sind unsere SofaConcerts eigentlich ein ideales Format: 15 bis 20 Leute sind eine gute Größe, um sich wieder heranzutasten.

Was hilft Ihnen persönlich und als Unternehmerin durch die Krise?
Die Entwicklung der vergangenen Wochen hat sich angefühlt wie neugründen, die Kontaktsperre war wie eine schwarze Wand. Aber ich glaube, dass unsere Start-up-Mentalität uns in dieser Zeit hilft: Man muss sich sowieso ständig neu erfinden und ständig Sachen auch über Bord werfen. Als Start-up gehört es zur DNA, dass man lösungsorientiert denkt, dass man nicht lange rumsitzt und lamentiert. Man muss auch mal aussprechen, dass gerade alles schlimm ist, aber dann handeln.

Sie schauen also optimistisch nach vorn?
Ja, denn wir haben immer noch Handlungsspielräume, und die sind oft größer, als wir anfangs denken. Man muss immer prüfen: Welches Potenzial gibt es für Plan B? Wir als Plattform sind sehr digital unterwegs, und für uns ist es wahrscheinlich einfacher, kreativ zu denken und uns neu zu erfinden. Vielleicht brechen jetzt für uns alle neue Zeiten an, ändern sich Dinge auch zum Positiven, merken die Menschen, dass man nicht unbedingt um die Welt jetten muss, sondern manche Dinge auch anders regeln kann.

SofaConcerts: Bühnen, wo vorher keine waren
Die beiden Schulfreundinnen Marie-Lene und Miriam brachten 2014 die Online-Plattform SofaConcerts an den Start. Seither vernetzt die Plattform talentierte Newcomer-Musiker mit Musikfans aus 21 Ländern und gibt ihnen die Möglichkeit, selbst Konzerte zu organisieren – im eigenen Wohnzimmer oder an anderen besonderen Orten. Darüber hinaus entwickelt das Unternehmen innovative Marketing- und Eventkonzepte mit authentischer Live-Musik.


Autor Stephan Kuhn
Stephan Kuhn | Redaktion | 
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