Glücklicher arbeiten
im Home Office

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Schiebst du Frust im Home Office? Dipl. Psychologin Jana A. Heimes erklärt, wie du in der Heimarbeit Freiheiten nutzt und mehr Selbstbestimmtheit entwickelst.


Warum fühlt sich Home Office für viele nicht so gut an, wie vielleicht erhofft?
Es stimmt: Obwohl viele lange schon vom Home Office geträumt haben, mag sich die ersehnte Zufriedenheit aktuell oft nicht einstellen. Statt Freiheit erleben viele Halt- und Strukturlosigkeit; statt die Ruhe genießen zu können, vermissen viele sogar die sonst vielleicht eher ungeliebten Kolleginnen und Kollegen. Dass die Traumvorstellung vom Home Office sich gerade nicht voll erfüllt, ist zwar frustrierend, aber gut begründbar. In der aktuellen Situation ist dabei ein entscheidender Punkt die Freiwilligkeit. Wer gerade aufs Arbeiten von zu Hause aus umgestellt hat, hat dies wahrscheinlich nicht wirklich selbstbestimmt getan. Oder zumindest krisenbedingt nicht im eigenen Tempo. Von heute auf morgen hat viele diese Umstellung unvorbereitet getroffen. Es gab keine Zeit, sich psychisch auf die neue Situation einzustellen. Zudem belastet das Gefühl, keine Wahl zu haben. Wer nicht ins Büro darf, der vermisst das gemeinsame Arbeiten mit den Kollegen vielleicht besonders intensiv.

Ist der Kontakt mit anderen Menschen einer der entscheidenden Faktoren?
Absolut. Vielen, die aktuell im Home Office sind, fehlt der soziale Austausch. Das liegt auch an den verschärften Bedingungen. An einem „normalen“ Tag im Home Office hat man tagsüber Raum für ungestörte Arbeit und trifft abends dann die Freunde in geselliger Runde. Das ist aber gerade nicht möglich. So kann sich das Home Office schnell wie Isolationshaft anfühlen. Oder auch im Gegenteil: Wer mit der Familie lebt oder in einer lebhaften WG, für den wird es zur Herausforderung, überhaupt eine ruhige Minute für die Arbeit zu finden.

„In der natürlichen Begegnung findet Kommunikation auf vielen Sinnesebenen statt, die im Videochat nicht alle bedient werden.“

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Jana A. Heimes, Dipl-Psychologin und psychologische Psychotherapeutin | © Jana A. Heimes

Ist Home Office am Ende eine Typfrage?
Zumindest haben die individuellen Persönlichkeitseigenschaften starken Einfluss darauf, ob man die Arbeit von zu Hause aus genießen kann oder sich dort eher einsam fühlt. Introvertierte Menschen fühlen sich alleine in ihren eigenen vier Wände eher wohl als extravertierte Menschen, für die häufige soziale Begegnungen besonders wichtig und anregend sind. Für diese Gruppe ist es besonders hart, denn auch Kontakte über den Bildschirm können eine echte Begegnung nicht wirklich ersetzen. In der natürlichen Begegnung findet Kommunikation auf vielen Sinnesebenen statt, die im Videochat nicht alle bedient werden. Trotzdem kann ein Videotelefonat eine gute Alternative darstellen.

5 Tipps: So geht Zufriedenheit im Home Office
Es gibt also viele Gründe dafür, warum sich die Arbeit im Home Office gerade nicht so anfühlt wie erträumt. Jana A. Heimes hat fünf Tipps zusammengestellt, mit denen man die Arbeit von zu Hause aus angenehmer gestalten und am Ende vielleicht doch Gefühle von Freiheit, Zufriedenheit und Selbstbestimmtheit entwickeln kann.

  • Tipp 1: Bleib im Austausch
    Da es im Home Office nicht zu ungeplanten, beiläufigen sozialen Begegnungen kommt, musst du dafür nun gezielt selbst sorgen. Suche ganz bewusst digitalen Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen oder Freunden. Das können tagsüber berufsbezogene Video-Meetings sein oder private Telefonate in der Pause. Auch feste Online-Verabredungen für den Feierabend können hilfreich sein, um eine gewisse Struktur zu ermöglichen und Vorfreude zu erzeugen.
  • Tipp 2: Leg dir Strukturen zu
    Generell ist eine haltgebende Tagesstruktur hilfreich. Zu festen Zeiten aufstehen, mit der Arbeit beginnen, Pausen machen und vor allem auch den Computer wieder runterfahren – all das kann Sicherheit und Orientierung bieten, wenn es gerade wenig äußere Strukturgeber gibt. Wenn du dir einmal einen klaren Tagesplan überlegt hast, bist du von der Aufgabe befreit, ständig neue Entscheidungen treffen zu müssen.
  • Tipp 3: Gib der Arbeit Raum
    Auch räumlich ist es hilfreich, klare Strukturen zu schaffen. Richte dir zu Hause einen festen Arbeitsplatz ein, den du zum Feierabend dann auch verlassen kannst. So kann auch dein Gehirn besser zwischen Arbeitszeit und Freizeit umschalten.
  • Tipp 4: Krieg den Kopf frei
    Um den Feierabend klar zu markieren, kannst du dir auch ein besonderes Ritual überlegen. Ein Spaziergang im nächsten Park, zum Lieblingssong tanzen, in Ruhe einen Tee trinken – suche dir das, was dir am besten hilft abzuschalten und den Kopf frei zu kriegen.
  • Tipp 5: Genieße die Freiheit
    Und dann vergesse natürlich nicht, auch die Vorzüge des Home Office zu genießen! Vielleicht bedeutet das für dich, in Jogginghose vor dem PC zu sitzen oder bei der Arbeit deine eigene Musik hören zu können. Solange es dich nicht von deiner Arbeit abhält, kannst du dir diese kleinen Freiheiten nun endlich erlauben.

Diplom-Psychologin Jana A. Heimes
Jana A. Heimes ist Dipl-Psychologin und psychologische Psychotherapeutin 
und lebt in Berlin. Das Home Office versüßt sie sich mit Blumenlieferungen. 
Mehr über Jana findest du auf ihrer Website, Instagram oder Facebook. 

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