Kreativ gegen Corona

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© Bertelsmann Printing Group

Märkte stehen still, Verbraucher halten sich zurück – Corona hat die Wirtschaft im Griff. In dieser Zeit müssen Unternehmen neue Wege gehen, wie beispielsweise Sonopress und Topac. Die beiden BPG-Unternehmen – eigentlich im Medien- und Verpackungsbereich aktiv – fertigen nun auch Schutzmasken. Geschäftsführer Sven Deutschmann erklärt, wie es dazu kam und wie sein Team mit der Krise umgeht.


Herr Deutschmann, wo erwischen wir Sie gerade – im Büro oder im Home Office?
In meinem Büro, wo ich überwiegend arbeite. Die meisten Mitarbeiter aus dem administrativen Bereich sind aktuell im Home Office, hier im Gebäude ist also genug Platz, um sich aus dem Weg zu gehen. Aber natürlich arbeite ich auch von zuhause aus, und das nicht erst seit Beginn der Corona-Krise. Etwa, wenn abends noch eine Telefonkonferenz ansteht.

Stichwort Corona: Wie schützen Sie Ihre Mitarbeiter?
Wir haben einen Standort in Asien, deswegen war das Thema Corona für uns schon Anfang des Jahres sehr präsent und wir haben uns früh vorbereitet. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Wir haben SAP-Schnittstellen eingerichtet, um Home Office in großem Stil zu ermöglichen. Unser Empfangsbereich ist komplett mit Plexiglas verkleidet. „Einbahnstraßen“ in den Produktionshallen sorgen dafür, dass sich die Mitarbeiter dort nicht begegnen. Unser Sicherheitspersonal ist mit Atemschutzmasken ausgestattet. Und natürlich finden Teammeetings oder Besprechungen mit Kunden per Videokonferenz statt.

Sie bringen nun eine Schutzmaske auf den Markt. Wie kam es dazu? Mit Ihren Kerngeschäften hat das ja nicht viel zu tun.
Wir haben uns immer wieder gefragt, was für einen Beitrag wir leisten können, um bei der Bewältigung der Krise zu helfen. Anfang April hatten wir die Idee zur cu-Maske: Ein Gesichtsschutz aus einer klaren Polyester-Folie, die am Kopf fixiert wird. Und dann ging alles sehr schnell. Nach drei Tagen war das Produktdesign fertig, anschließend haben wir am Hauptsitz in Gütersloh und in Hongkong eine Produktionslinie dafür eingerichtet. Parallel wurden Vertriebswege in ganz Europa aufgebaut. Mittlerweile läuft die Produktion mit zunächst je 50.000 Stück pro Woche an beiden Standorten, die ersten Exemplare sind bereits an medizinische Einrichtungen und an Stellen mit hohem Schutzbedarf ausgeliefert worden. Verbraucher können sie auch über unseren Amazon-Shop bestellen.

„Schutzmasken sind erstmal ein kleiner Teil unseres Angebots, der aber dazu beiträgt, Arbeitsplätze zu sichern und Menschenleben zu schützen.“

Sven Deutschmann TS
Sven Deutschmann | © Bertelsmann Printing Group

Was sind die Vorteile dieser Schutzmaske?
Sie kann in kurzer Zeit zusammengebaut werden und deckt das gesamte Gesicht inklusive Augen, Nase und Mund ab. Die Folie ist glasklar, man sieht also sehr gut. Und man kann gut atmen und sprechen. Außerdem ist die Maske nachhaltig, denn sie kann mit einem Desinfektionsmittel gereinigt und mehrmals wiederverwendet werden. Übrigens fällt unsere Schutzmaske in die offizielle europäische Kategorie der Gesichtsschutzschilde (EU-Regulation 2020/402 vom 14.März 2020).

Wird das ein neuer Geschäftszweig für Sie?
Natürlich denken wir auch und gerade in Zeiten wie diesen über neue strategische Ansätze nach. Wenn der Filialhandel geschlossen ist, wie in den vergangenen Wochen, dann merken wir das vor allem in unseren Mediengeschäften. Aber es gab auch Bereiche, in denen wir deutliche Zuwächse hatten, beispielsweise bei Computerspielen und Lebensmittelverpackungen. Von daher sind Schutzmasken erstmal ein kleiner Teil unseres Angebots, der aber dazu beiträgt, Arbeitsplätze zu sichern und Menschenleben zu schützen. Ich finde, das ist ein guter Ansatz. Und tatsächlich planen wir die Produktion von chirurgischen Atemschutzmasken. Hier ist es allerdings noch zu früh für Details.

Das Corona-Virus hat den Arbeitsalltag stark verändert. Welche Veränderungen werden Ihrer Ansicht nach über die Krisenzeit hinaus Bestand haben?
Wir haben in den vergangenen Wochen viel Neues über Arbeitsorganisation und Kommunikationswege gelernt und gesehen, dass wir im Home Office sehr effizient arbeiten können. Unser weltweites Sales Meeting im April lief beispielsweise komplett über Skype ab. Digitale Wege können den persönlichen Kontakt zwar nicht komplett ersetzen, aber sehr gut ergänzen. Deswegen werden Home Office und mobiles Arbeiten in Zukunft sicherlich eine größere Rolle spielen.
Eventuell wird sich auch der persönliche Umgang miteinander permanent verändern. Ob die herzliche Begrüßung von langjährigen Geschäftspartnern oder der klassische Handschlag wiederkommen? Ich bin gespannt. In jedem Fall wäre es sinnvoll, für Hygienemaßnahmen sensibel zu bleiben. Das würde nicht nur Corona, sondern auch die normale Influenza und andere Erkrankungen eindämmen.


Sven Deutschmann ist Geschäftsführer von Sonopress und Topac, zwei Unternehmen 
der Bertelsmann Printing Group. Die Arbeit im Home Office ist für ihn nichts Neues. 

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