Gemeinsam Spielen: mehr Teamgefühl im Home Office

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Spielen ist was für Kinder. Aber nicht, weil Spielen „kindisch“ ist, sondern weil der Nachwuchs dabei wichtige Lektionen fürs Leben lernt. Dass dies nicht nur beim „homo ludens“ der Fall ist, sondern auch bei unseren tierischen Zeitgenossen, wissen Forscher seit Langem. Wer einmal junge Raubkatzen beobachten konnte, wie sie beim spielerischen Balgen ihre Kampfkünste und die Jagd in der Gruppe üben, der weiß, dass hier im Spaß der Ernstfall trainiert wird. Das Spiel des Lebens beginnt früh.


Auch wir haben jetzt den Ernstfall: Home Office! Unsere Meute sitzt weit verstreut in ihren persönlichen Büros, Beute ist nicht in Sicht. Schon verabreden sich die ersten Kolleginnen und Kollegen zum virtuellen Stammtisch per Videokonferenz. Wenn die Bandbreite es hergibt, dann wird gemeinsam gekocht … oder zumindest ein Bild vom jeweiligen Mittagessen gepostet.

Spielen macht Laune

Brot und Spiele waren schon in der Antike das Mittel der Wahl, die Massen bei Laune zu halten – ich glaube, das funktioniert auch bei mir ganz gut. Warum also nicht mal mit den Kollegen gemeinsam etwas spielen? Das stärkt trotz Home Office das Teamgefühl und sorgt in den – notwendigen – Pausen für Entspannung und gute Laune. Nennen wir es einfach mal „Gamification“, auch wenn der Begriff hier nicht hundertprozentig passt. Gemeint ist dabei die Anwendung spieltypischer Elemente und von Game-Design in einem spielfremden Kontext, etwa zur Vermittlung von Wissen. Und, Überraschung: Eines dieser Elemente ist die Gruppenarbeit, bei der die gemeinsame Arbeit an einer Lösung die Gruppe näher zusammenbringt. Und das wollen doch schließlich alle in Zeiten von Corona: auf sicheren Abstand zusammensein.

Unsere Spiele-Tipps

Probieren wir das mit dem Spielen und Lernen doch einfach mal mit moderner Office-Software aus. Und siehe da, jedes gute Textverarbeitungs- oder Tabellenkalkulationsprogramm taugt als Spielwiese, auf der sich einiges „bauen“ lässt, was für den Zeitvertreib am Monitor taugt. Hier sind unsere Office-Interpretationen beliebter Spieleklassiker, zum selbst bauen und gemeinsam spielen.

  1. Vier gewinnt: Jeder hat es schon in natura gespielt, aber auch virtuell hat das Konzentrationsspiel das Zeug zum Klassiker. Alles was du brauchst, ist eine kollaborative Plattform wie beispielsweise Office365, bei der mehrere Personen gleichzeitig auf eine Datei zugreifen können. Und so baust du dir deine persönliche Version. Nimm ein leeres Word-Dokument, erstelle eine Tabelle mit 7 Spalten und 6 Zeilen und einer festgelegten Zellengröße. Die runden Chips bekommt man aus der Schrift „Webdings“, rot bzw. gelb einfärben, passend formatieren, fertig. Anders als beim realen Vorbild lässt sich das Spielfeld relativ beliebig vergrößern. Schon mal zu dritt „Vier gewinnt“ auf einem 63 x 54-Feld gespielt? Wir sind gespannt auf deinen Erfahrungsbericht.
  2. Schiffe versenken: Auch diesen Klassiker kann man relativ leicht nachbauen. Du brauchst eine Tabelle mit 10 x 10 Spielfeldern. Die Koordinaten auf dem Spielfeld sind jeweils durch eine Zahl (für die Spalte) und einen Buchstaben (für die Zeile) definiert. Spendiere deinem Board also zusätzlich jeweils zwei Zeilen sowie zwei Spalten. Schon ist es übersichtlicher. Dupliziere die Datei, um deine Angriffe auf den Gegner zu dokumentieren. Nun verteil deine Schiffe: 4 Einer, 3 Zweier, 2 Dreier, 1 Vierer. Klar gibt es das Ganze auch als Online-Version, aber wir wollen ja nicht daddeln, sondern im Team arbeiten und unsere Software noch ein bisschen besser kennenlernen. Gleichzeitig in einer Datei arbeiten funktioniert bei diesem Spiel natürlich nicht. Aber wie wäre es, damit mal eine Konferenz über Teams auszuprobieren? Bei einer Videokonferenz sieht man sogar, wie sich Mitspieler bei einem Treffer ärgern…
  3. Ich sehe was, was du nicht siehst: Ich habe noch nie so viele Videokonferenzen gehabt wie in der letzten Zeit. Und so viele Kolleginnen und Kollegen zu Hause „besucht“. Manchmal sitze ich am Bildschirm und denke: „Oh, oh, ich sehe was, was du übersehen hast.“ Aber wenn man aufräumt hat, dann ist „Ich sehe was, was du nicht siehst“ ein wunderbarer Zeitvertreib, bei dem man auch noch so einiges über Video Conferencing lernen kann. Versucht einfach, das Ganze in verschiedenen Schwierigkeitsgraden zu spielen. Vielleicht, indem du deinen Gegenspieler mit dem Laptop durch die Wohnung gehen lässt. So lernst du mal die Wohnung der Kollegen kennen. Wenn dann die Aufgabe kommt, merkst du schnell, ob du wirklich ein so fotografisches Gedächtnis hast, wie du immer behauptest.
  4. Trivial Pursuit: Okay, das mit dem Nachbauen wird ein bisschen schwierig, aber glücklicherweise gibt es dieses Wissensspiel in verschiedenen Abwandlungen auch im Netz. Ich spiele gelegentlich die Version von Trivial Pursuit bei Spiegel online. Das Gute an der Sache: Weil man allein spielt, kommt man – trotz der falschen Antworten – deutlich schneller ans Ziel und gewinnt immer. Das tut auch mal ganz gut. Wer doch auf Teamgefühl setzt: Einfach parallel mit den Kollegen auf Zeit spielen.
  5. Quiz des Tages: Das lebenslange Lernen sollte auch in schwierigen Zeiten nicht aufhören. Als kleiner Zeitvertreib zählt für mich das Quiz des Tages bei ZEIT online deshalb unbedingt dazu. Wer jetzt in Zeiten von Corona aufgrund der vielen schlechten News allerdings auf totalen Nachrichtenverzicht setzt, der wird sich wundern. Um ordentlich zu punkten, sollte man schon das aktuelle Geschehen verfolgen.

Und jetzt noch ein Hinweis in eigener Sache: Den Klassiker „Mensch ärgere dich nicht“ heben wir uns für nach der Corona-Krise auf. Denn seien wir mal ehrlich: Bei diesem Spiel ärgern wir uns alle an irgendeinem Punkt. Und Ärger haben wir aktuell auch so schon genug, das müssen wir gar nicht spielen.


Autor Stephan Kuhn
Stephan Kuhn | Redaktion | 
TERRITORY Content to Results | Gütersloh

Mag am liebsten Spiele, bei denen es so wenig wie möglich auf Glück ankommt. 

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