Die Zukunft des Shoppings

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Die langfristigen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf unseren Alltag sind momentan nur zu erahnen. Aber schon jetzt zeigt sich, dass Virus, Quarantäne und Lockdown ein Katalysator für aktuelle Entwicklungen wie Home Office oder Streaming sind. Findige Unternehmen nutzen die bestehenden technischen Möglichkeiten zunehmend, um ihre Produkte clever virtuell zu vertreiben.


Die Frage, wie unsere Welt in zehn Jahren aussieht, war schon vor Corona nicht einfach zu beantworten. Während „Normalsterblichen“ dafür wohl nur der Blick in die Glaskugel bleibt, beschäftigt sich das Zukunftsinstitut intensiv analytisch mit den aktuellen Entwicklungen und wagt auf Basis dessen fundierte Prognosen. In einem White Paper skizzieren die Experten des Instituts vier mögliche Szenarien für die Corona-Auswirkungen, Gründer Matthias Horx blickt in einem Artikel per „Regnose“ auf das optimistischste Szenario zurück, die überwundene Corona-Krise.

Gekommen, um zu bleiben

Man muss allerdings nicht zehn Jahre in die Zukunft blicken, um zu erkennen, dass Themen wie Online-Shopping und Streaming durch die aktuelle Phase noch einmal einen deutlichen Aufschwung erleben – und das nicht, weil die durch die Doppelbelastung von Home Office und Home Schooling genervten Eltern ihre Kinder vor dem Fernseher parken und berieseln lassen. Beschränkt auf das eigene Zuhause haben viele Menschen – auch aus Sicherheitsgründen – das Online-Shopping (wieder) entdeckt. Neue Impulse auf diesem Gebiet kommen auch in Verbindung mit verbesserten Bandbreiten und damit Streaming-Möglichkeiten.

Shopping 4.0

Denn Streaming funktioniert eben nicht nur oder ausschließlich als Entertainment, sondern auch beim Thema Shopping, wie innovative Anbieter gerade im asiatischen Raum zeigen. Vorreiter ist hier einmal mehr China, der weltweit größte Livestreaming-Markt, wo das Shopping per Livestream quasi schon Tradition hat und etabliert ist. Dabei werden Produkte in Echtzeit vorgeführt und können in der entsprechenden App auch direkt gekauft werden. Einer der großen Anbieter ist die von Alibaba, dem chinesischen Amazon-Pendant, gegründete Website Taobao, die mit Taobao Live über ein Livestreaming-Format verfügt. Hier preisen Verkäufer in kurzen Spots ihre Waren an und antworten in Chats auf Fragen. Die Bandbreite reicht dabei vom Landwirt, der sein Gemüse zeigt, über Restaurants mit Kochtipps bis zur Vorstellung völlig neuer Produkte.

Um den aktuellen physischen Einschränkungen zu begegnen, drängen nun immer mehr stationäre Händler ins Livestreaming, und auch einige Kaufhäuser wagen seit Kurzem den Einstieg in das Teleshopping. Die Verkäufer der InTime-Warenhauskette beispielsweise bedienten und berieten aus ihrem Home Office heraus per Live-Teleshopping ihre Kunden. Eine Erfolgsgeschichte schrieb die Kosmetikmarke Forest Cabin, die mehr als die Hälfte ihrer Geschäfte zeitweilig schließen und Verkaufseinbrüche von 90 Prozent hinnehmen musste. Dank einer neuen Strategie mit Livestream im Mittelpunkt konnte der drohende Bankrott abgewendet werden. Dazu trainierte Forest Cabin seine 1.600 Verkäufer für den Auftritt in Livestream.
Wie wertvoll der Verkauf per Livestream sein kann, machte Influencerin Kim Kardashian im letzten Jahr deutlich, als sie ihre Parfümmarke KKW auf einem Kanal von Alibaba im Livestream bewarb.

Livestream-Shopping in Deutschland

Ähnliche Ansätze im „Westen“ tun sich schwer, obwohl Livestreaming bei den großen Plattformen wie Youtube, Facebook oder Instagram durchaus möglich ist. Zwar gibt es auch bei deutschen Händlern vereinzelte Bemühungen, signifikante Reichweiten erzielen sie jedoch (noch) nicht. Ob sich das in naher Zukunft und durch Corona ändert, dafür müssen wir vielleicht wirklich die Glaskugel bemühen. Ansätze wie etwa von Instagram, die mit „Checkout on Instagram“ eine In-App-Shoppinglösung entwickeln, scheinen enormes Potenzial zu haben. Denn laut Angaben von Instagram tippen jeden Monat rund 130 Millionen Instagrammer auf Produktmarkierungen in Shopping-Posts. Bei „Checkout on Instagram“ können die User ihre persönlichen Informationen für weitere Einkäufe speichern, das Produkt kaufen und in der App zusätzlich ihre Bestellungen verwalten.

Der hiesige Zuwachs beim Streaming manifestiert sich vor allem im kulturellen Bereich, wo viele Akteure die neuen Möglichkeiten nutzen, ihr Angebot online zugänglich zu machen oder sogar live zu streamen etwa bei Konzerten, Theaterstücken und Lesungen oder schlicht als Gang durchs Museum. Auch, wenn es nicht ganz dasselbe ist: Man bekommt das, was man wollte – sein kulturelles Erlebnis. Und das ist in Zeiten von Corona ja auch schon was. Wer weiß, und vielleicht steigt der ein oder andere aus dem Home Office heraus auch in eine Karriere als Streaming-Teleshopper ein.


Autor Stephan Kuhn
Stephan Kuhn | Redaktion |
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