Autor und Podcaster Sebastian Stuertz: Zwischen Traumwelt und Home Office

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© Sebastian Stuertz

Im neuen Podcast Desperate Houselives kämpfen Autoren des Hörverlags Serials gegen Langeweile und Lagerkoller – einer von ihnen ist Sebastian Stuertz. Im Interview verrät der Medienkünstler, warum Traumwelten wichtig sind und im Home Office (fast) alles wie immer ist.


Sebastian, für alle, die ihn (noch) nicht kennen: Wer ist Corvin Corona der 19.?
Er ist ein Bösewicht, der 100 Jahre im Arsch einer Fledermaus gewohnt hat, nun richtig sauer ist und alles plattmachen will. Mit den Trompeten am Kopf sieht Corvin auch ein wenig wie das Virus aus, das er sinnbildlich auch verkörpert. Er ist eine Figur, die ich mit meinem Freund Nikolaus Woernle für die Hörspielreihe „Desperate Houselives“ frei erfunden habe.

Denkst du, dass Fiktion hilft, um mit der aktuellen Krise umzugehen?
Ja, unbedingt! Ich will mich lieber in Traumwelten flüchten, in denen der Umgang mit der Situation leichter und humorvoller von der Hand geht als in der Realität.

Wie hat die Pandemie konkret dein Leben auf den Kopf gestellt?
Es gibt gute Dinge, die ohne Corona kaum stattgefunden hätten, wie zum Beispiel die Podcast-Produktion. Aber klar, für mich gab’s auch einen herben Schlag in die Fresse: Normalerweise würde ich jetzt Auftritte auf Buchmessen wahrnehmen und Lesungen halten, nachdem ich genau zum Lockdown mein erstes Buch „Das eiserne Herz des Charlie Berg“ veröffentlicht habe. Lange habe ich darauf hingearbeitet und alles ist ins Wasser gefallen. Selbst wenn die Termine nachgeholt werden, kommen in sechs Monaten oder einem Jahr wieder neue Bücher auf den Markt, die von Interesse sind. Und ob dann noch Lesungen von einem Buch aus der letzten Saison gebraucht werden, weiß keiner. Also, im Grunde hat sich mein Leben dahingehend nicht geändert: Ich hatte vor der Krise keine Lesungen. Jetzt habe ich auch keine. Mit dem Unterschied, dass ich in der Zwischenzeit einen Roman veröffentlicht habe.

Welche Projekte stehen nun bei dir an?
Ich arbeite spät nachts oder früh morgens, wenn ich alleine bin und meine Ruhe habe, an einer Mini-Serie für den Hörverlag, für den wir auch das Hörspiel Desperate Houselives mit Corvin Corona produziert haben. Das geht am besten. Tagsüber habe ich als Motion Designer mit der Gestaltung von Grafiken fürs Fernsehen genug zu tun. Ich arbeite in einem Atelier, das ich mir mit meiner Frau teile. Es befindet sich unten im Haus, sodass ich morgens nur aufstehen und runtergehen muss. Das Home Office bin ich also gewohnt. Ich bin eh ein Typ, der sich gerne von Leuten fernhält, sich einschließt und nur punktuell unters Volk geht.

Strukturierst du dich im Home Office, um motiviert und diszipliniert zu arbeiten?
Ich versuche es, bin aber eigentlich nicht der Typ dafür. Die einzigen Fixpunkte sind die gemeinsamen Mahlzeiten mit der Familie. Wir essen mindestens zweimal, wenn nicht dreimal am Tag zusammen. So kann ich die Arbeitszeit gut einteilen. Was jedoch einiges verändert hat, ist dass die Kinder momentan die ganze Zeit zuhause sind. Zum Glück sind sie schon ziemlich groß und selbstständig. Mein Sohn ist ein Sport-Fanatiker und mittlerweile mein Personal Trainer. Er verdonnert mich jeden Tag zu einer Bewegungseinheit. Als Familie gehen wir auch oft mit dem Hund spazieren oder schauen viel mehr Serien. Das ist zwar schön, aber unproduktiv fürs Home Office.

Was machst du, wenn du ein echtes Tief im Home Office hast?
Da ich sowieso schon sehr unstrukturiert und chaotisch bin, bin ich kein guter Tippgeber für solche Themen. Wenn ich zum Beispiel wirklich merke, heute geht gar nichts, dann beschäftige ich mich mit Serien oder Hörspielen. Naja, als Autor arbeite ich dann ja trotzdem, oder? Man lernt ja fast immer was dazu.

Du reist in die Zukunft: Was hat sich nach der Krise verändert?
Momentan skype ich regelmäßig mit alten Freunden, die weit weg wohnen. Ziemlich bekloppt, dass wir das sonst nie gemacht haben! Wir hängen ab und produzieren sogar Musik dabei, jeder im Wechsel eine Spur. Früher haben wir uns lediglich zwei-, dreimal im Jahr besucht und das war‘s. Ich hoffe, das Skypen behalten wir bei.

  • Name: Sebastian Stuertz
  • Alter: 46
  • Wohnort: Hamburg
  • Beruf: Motion Designer und Autor
  • Dein größter Erfolg: Als Kind beim Fädenziehen auf dem Dorffest den Hauptgewinn gezogen (einen Diaprojektor)
  • Lieblingsbücher: Eins? Geht doch gar nicht! In der Kindheit z. B. „Mio mein Mio“ von Astrid Lindgren, in letzter Zeit u. a. „OTTO“ von Dana von Suffrin
  • Da trifft man dich: Hinterm Mond, wo der Pfeffer wächst und am Arsch der Heide.
  • Dein letztes Wort: Niemand muss irgendetwas geschafft oder optimiert haben, wenn dieser Wahnsinn vorbei ist. Lasst euch nicht verrückt machen und schlaft aus!

Wer ist Corvin Corona der 19.? Hier geht’s zum Podcast:


Autorin Sina Panreck
Sina Panreck | Redaktion |
TERRITORY Content to Results | Gütersloh 

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